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Verabschiedung unseres Gemeinderats Volker Imhof

Auszug aus der Rede von Gemeinderätin Martina Glees- Brück

Lieber Volker,

 

13 Jahre lang warst du grüner Gemeinderat und in diesem Gremium ein verlässlicher und erfahrener Kollege. Mit Dir war immer gut zu arbeiten. Auf die Fraktionstreffen habe ich mich immer gefreut, bei uns gab es richtig gute Diskussionen.

Zum einen warst Du unser Mann der Finanzen, das ist ein Thema, dass Du mit Deinem beruflichen Hintergrund aus dem ff beherrschst, da macht Dir keiner was vor. Du hast Dich auf die Haushaltsberatungen immer akribisch vorbereitet, Dir sind alle Ungereimtheiten aufgefallen. Und wieviel Zeit Dich das gekostet hat, das hast Du nie erwähnt, das verdient aber mit Sicherheit die allergrößte Hochachtung. Und dein Gedächtnis ist ja sehr bemerkenswert, aber wenn es um Zahlen geht, ist es einfach phänomenal!

Ein anderes hochsensibles Thema für Dich war immer die soziale Gerechtigkeit, das heißt das Möglichste tun, um Menschen mit kleinem Einkommen und Familien mit Kindern ein gutes Leben im Ort zu ermöglichen. Einige Anträge zu den Themen waren Deine Ideen, wie z.B. die Förderung für Wohnungen mit Sozialbindung im Ellenberg, oder die Einkommensabhängigen Kindergartengebühren. Auch Anträge, die erst einmal nicht erfolgreich sind, bringen Bewegung in ein Thema. Als Beispiel steht der soziale Wohnungsbau, mittlerweile gibt es ihn auch in Erdmannhausen.

Das Thema, wodurch Du Einzigartig bist, ist Deine Blindheit. Ich glaube, Du bist ein Unikat.

Ich weiß noch gut, wie wir uns 2009 nach Deiner ersten Wahl Gedanken gemacht haben, wie wird die Zusammenarbeit funktionieren, wie kann ich Dir Pläne beschreiben, wie werden die GR-Vorlagen, wie wird der Haushaltsplan für Dich aufbereitet.

Du hast Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt, Du hast uns Sehenden eine andere - ich benutze den Ausdruck mit Absicht - Sicht auf Dinge ermöglicht und dadurch einiges an Veränderungen bewirkt. Durch Dich ist der Ausdruck barrierefrei nichts abstraktes mehr, der Sinn ist unmittelbar zu begreifen. Unvergesslich die legendäre „Besichtigung“, als Du die Gemeinderatskollegen mit einer Augenbinde und einem Stock über eine unübersichtliche Kreuzung geschickt hast. Danach war das Prinzip und die Notwendigkeit der Leitlinien verstanden und schnell beschlossen. Auch die Barrierefreiheit von öffentlichen Gebäuden ist im Gemeinderat keine Diskussion mehr. Das ist ganz klar Dein Einfluss gewesen.

Du sagtest letztens, dass es anstrengend ist, immer und überall die Behindertenrechtskonvention einzufordern. Immer wieder herrscht Ahnungs- und Achtlosigkeit für die Belange von Behinderten. Und immer wieder werden Betroffene als Bittsteller behandelt und die Position als Fordernde wird ihnen nicht gerne zugebilligt. Da hast Du sicher recht; das ist ärgerlich, anstrengend und kostete Kraft. In der besten aller Welten wäre das nicht nötig. Wir als Gesellschaft brauchen lange - manchmal zu lange - um uns umzugewöhnen und aus der Bequemlichkeit der gewohnten Abläufe herauszufinden. Dazu benötigen wir dann Menschen wie Dich, die die es schaffen zäh und hartnäckig an einem Thema dranzubleiben.

Und deshalb werden wir Dich sehr vermissen. Wir sagen Danke, Danke, Danke für die Energie und die Zeit, die Du in grüne Gemeinderatsarbeit investiert hast.

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